Die Sache mit dem Stock

Wie ich ja schon mal erwähnt habe, macht mir meine Bandscheibe seit einiger Zeit das Leben schwer.

Es gibt gute Tage, schlechte Tage und ganz schlechte Tage.

Aber selbst an guten Tagen, fällt es mir schwer eine längere Strecke zu laufen oder eine gewisse Zeit zu stehen.

Um das Problem mit dem Laufen zu beheben und um die Bandscheiben zu entlasten, habe ich mir einen Gehstock gekauft.

Ja..ich bekenne öffentlich: Ich brauche einen Gehstock!

Und auch wenn ich mir wirklich einen sehr stylischen ausgesucht habe, ist und bleibt er doch ein Gehstock.

Und wer benutzt Gehstöcke? Senioren oder noch älter..so verwende ich ihn eher zuhause…wo es keiner sehen kann.

Leider musste ich heute Morgen nach dem Aufwachen feststellen, dass heute ein sehr schlechter Tag ist. Normalerweise würde mich das nicht weiter stören..wenn nicht mein Kühlschrank nur noch sich selbst kühlen würde, mein Vorratsschrank nicht nur noch Gewürze aufweisen würde und am Schlimmsten: Meine Zigaretten waren leer!!

Also schrieb ich mir erst mal einen Zettel was ich denn dringend brauche und in einen Korb passt…und nicht so schwer ist.

Dann ging ich im Geiste den Weg zum Laden und die vorhandenen Sitzgelegenheiten durch.

Soweit so gut.

Schon beim Anziehen stellte ich fest, dass es kein Spass werden würde. Und als ich meine Schuhe laaaaaaangsam anzog fing mein Plan an zu bröckeln.

Nun stand dieser Stock neben der Tür und grinste mich an. Er schien so etwas zu sagen wie: Na? Zu eitel um mich zu benutzen? Naja, mal sehen wie weit Du ohne mich kommst.

Ich überlegte kurz und beschloss ihn einfach zusammen zu klappen und nur für den Fall der Fälle einzupacken.

Der Fall der Fälle traf exakt an der nächten Ecke ein. Ich überlegte kurz ob ich mich setze, oder doch den Stock verwende. Meine Überlegung wurde abrupt beendet als ein heftiger Regenschauer einsetze und die nächste Gelegenheit mich unterzustellen nicht in dem Bereich lag, den ich noch alleine hätte laufen können.

Also nahm ich ihn aus dem Korb und zack, war er einsatzbereit…als hätte er nur auf sein Stichwort gewartet.

Und ich muss schon zugeben, dass es mir mit Stock bedeutend leichter viel zu laufen. Also lief ich bis zum Laden durch ohne dass ich anhalten musste.

Als ich meinen ersten Schritt in unseren mini Edeka machte, sprach mich direkt die 75 jährige Inhaberin an und meinte: Ei seid wann brache sie en Stock?

Ich sagte dass ich ihn schon länger hätte und es halt gute und schlechte Tage gäbe und heute wäre halt ein nicht so guter Tag.

Sie nickte verständnisvoll und auch ein wenig mitleidig und sagte: Ei werds denn gehe? Oder braache sie Hilfe?

Ich erklärte ihr, dass es schon geht und damit ging sie wieder hinter ihre Kasse.

Ich ging in den ersten Gang und stellte meinen Korb an der Seite ab. Dann steckte ich mich und versuchte eine Flasche aus der oberen Reihe zu greifen. Aber diese Handlung wurde sofort durch ein Rufen unterbrochen und schon stand sie wieder bei mir und sagte: Ei sache se doch was. Ich hol ihne die Flasch schon runner. Was brache se dann noch?

Irgendwie dachte ich, dass es eh zwecklos wäre mich zu wehren und wenn sie es schon anbietet…

Also sage ich ihr was ich noch so brauchte und sie lief durch den Laden und packte mir alles in den Korb.

Als ich dann fertig war und bezahlte, fragte sie mich direkt ob ihr Enkel mir den Korb hochfahren soll. Ich schüttelte den Kopf und erklärte ihr, das dies schon ausgewählte Sachen wären und der große Einkauf noch kommt…vielleicht morgen…

Bei dem Stichwort „morgen“ nickte sie zustimmend und sagte direkt: Ei des gar kei Problem. Komme se einfach her und ich helf ihne und mei Enkel oder ich fahre ihne dann de Einkauf nachhaus.

Ich bedankte mich herzlich und trat den Heimweg an. Nicht ohne nochmal gefragt zu werden ob es denn wirklich ginge.

Sie legte mir sogar eine Plastiktüte (kostenlos) über meinen Einkauf..damit nichts nass würde.

Auf meine Weg nachhause dachte ich nur: Als ich vor nicht ganz 3 Monaten mit Krücken in den Laden kam und mich kaum auf den Beinen halten konnte, bekam ich nur so Fragen wie: Ei hatte sie en Sport-Unfall?

(Als würde ich Sport treiben…)

Und auch die Zeit danach in der ich mich teilweise von Theke zu Theke hangelte und immer eine Pause auf der Tiefkühltruhe machte, bekam ich nicht den Hauch der Aufmerksamkeit die mir heute zuteil wurde.

Ich frage mich echt woran das liegt…

Ist ein Gehstock etwas mit dem sie sich identifizieren können?

Zählst Du wenn Du einen Gehstock benutzt automatisch zu den Behinderten?

Oder am Ende zu den Unheilbar kranken?

Ist der Gehstock für sie der Anfang vom Ende?

Keine Ahnung…

Ich weiß nur, dass ich ihn jetzt immer beim Einkaufen verwenden werde und vielleicht sogar noch dann, wenn ich ihn eigentlich gar nicht mehr brauche ;o)

Stock 2

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10 Gedanken zu “Die Sache mit dem Stock

    1. Ich weiss…echt übel.
      Ein Freund von mir, der ca. 5 Jahre älter ist als ich, erzählte mir vor Kurzem, dass er beim Checkup war und seine Ärztin bei jedem Wert sagte: Das ist normal…in ihrem Alter *lach* Solange man noch drüber lachen kann, ist alles ok. Aber wenn ich nächstes Jahr immer noch den Stock brauche, fange ich an darüber nachzudenken. ;o)

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    1. Danke Dir. Ich hoffe auch, dass es wirklich nur eine kurzzeitige Liaison ist und der Stock und ich demnächst wieder getrennte Wege gehen ;o)
      Mein Freund erwähnte vor Kurzem so nebenbei dass ein Rollator auch praktisch wäre. Das Gespräch war dann ganz schnell zu Ende… ;o)
      Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche :o))

      Gefällt 1 Person

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